Der Themennavigator
von Deekeling Arndt Advisors
Erfolgsfall Ernstfall: Der Faktor Kommunikation im Insolvenzverfahren
Kommunikation im Ernstfall der Insolvenz ist ein Kinderspiel. Jedem ist bewusst, dass es Einschnitte geben muss, alle hoffen auf die Rettung. Deshalb muss man nicht lange um den heißen Brei herumreden. Schließlich: In dem Moment, in dem das Überleben verkündet werden kann, wird der Ernstfall ja zum Erfolgsfall.
Ganz so einfach ist es nicht. Es sei denn, man betrachtet den Ernstfall isoliert – losgelöst von dem, was gestern war und morgen sein wird. Aber der Ernstfall ist eben keine isolierte Episode der unternehmerischen Historie. Im erfolgreichen Fall soll der Ernstfall Insolvenz die Grundlage sein von etwas Neuem, von etwas Großem, von Zukunft, Stolz und Wachstum. Auch wenn in diesem kurzen Zeitraum also alle für das Überleben arbeiten: Es geht nicht ums Überleben. Es geht um das Lebendigsein!
Eben darin steckt die große Chance des unternehmerischen Ernstfalls. Wenn es einen Zeitpunkt gibt, an dem man im Unternehmen die Lebensgeister der Veränderung, den Mut zu Neuem, die Bereitschaft zu Einschnitten und neuem Engagement wecken kann, dann ist das der Moment, in dem es um alles oder nichts geht. Schon wenige Wochen nach der Rettung ist dieses Momentum verflogen. Die Belegschaft atmet erleichtert durch und geht – endlich – wieder zum Alltag über.
Dieses Momentum gilt es zu nutzen. Dabei sollte in der Kommunikation eine Erkenntnis leitend sein: Kern eines jeden Rettungsplans ist eine Idee, wie langfristiger Erfolg möglich wird. Darüber, nicht über die Rettung allein, muss intern gesprochen werden. Während in der Presse allein das Zahlenwerk des Rettungsplans besprochen wird, muss der Fokus intern auf ein vorstellbares Zukunftsbild des Unternehmens gerichtet sein. Das gelingt freilich nur, wenn man das bekante, kalte Konzeptvokabular verlässt: Wenn Mitarbeiter an einen Neuanfang glauben sollen, dann muss es dafür auch neue Begriffe geben.
Ähnliches gilt für die Kommunikation extern. Unternehmen im Insolvenzverfahren sind in der öffentlichen Wahrnehmung "am Ende". Diesem Urteil muss Kommunikation aktiv entgegenwirken und Strategie und Geschäftsmodell als grundsätzlich marktfähiges, unternehmerisches Konzept vermarkten. Letztlich ist eine solche Kommunikation, die sich auch jenseits der rettenden Zahlen bewegt, eine wichtige Unterstützung bei der Investorensuche.
Immer bedeutender wird dabei die Wahrnehmung des Insolvenzverfahrens an sich. Verfahren und Verwalter hatten noch niemals so viel Öffentlichkeit wie in diesen Tagen der Krise. Zunehmend kritisch und gleichsam mit großen Erwartungen und Hoffnungen wird beobachtet, was sie tun und wie sie agieren. Wirklich verstanden werden Inhalte und Rahmenbedingungen dieses reglementierten Arbeitsprozesses aber nur von den Wenigsten. Umso wichtiger ist es, die Balance zu finden zwischen Öffentlichkeit und Ruhe – zwischen einer aufklärenden, Transparenz und Orientierung stiftenden Kommunikation und einem stringenten Arbeitsprozess, der ohne Störfeuer von außen vorangetrieben werden kann.


































